Zwei Bühnen, eine Meinung: Anne-Sophie Mutter geigt und Nena singt für Germany

Anne-Sophie Mutter und Nena (Oma und Mutter), die „Weltmarke[n] made in Germany“1, singen und geigen für die gleiche Sache, nämlich für ein „gesundes Nationalgefühl“. Anne-Sophie Mutter, enttäuscht darüber, dass Deutschland immer nur als Wirtschafts-aber nie als Kulturstandort von den Politikern erkannt wird, stellt fest:

Aber wir [die Musiker] bieten eine Grundlage, auf der sich ein Nationalgefühl gesund entwickeln könnte.
Klassische Musik zählt leider nicht mehr zur Definitionsmasse der Nation Deutschland und leistet somit dem dumpfen Nationalismus, „[…]der sich nicht mehr an klassischen Werten orientiert“2 Vorschub, so Mutter. Bildung („Man könnte an deutschen Schulen türkische Lieder singen und in den Noten nachschauen, warum sie anders klingen. Gleichzeitig würde sich ein Blick in die türkischen Momente in Mozarts ‚Entführung‘ lohnen.“) spielt natürlich eine große Rolle, doch auch Populärmusik kann beim Erhalt des Nationalismus mit klassischen Werten hilfreich sein.

Wir dürfen den Pop nicht vernachlässigen, auch wenn ich bei einigen Text-Passagen in Songs, die meine Tochter liebt, erröte.

Vor Freude rot werden dürfte Frau Mutter bei Nenas neuem Song, der Identifikationsstifter³ ist.

Germany, dich verlass ich nie
Meine Liebe, dich verlass ich nie
Du bleibst mein Germany

Oder ist das jetzt „hohler Nationalismus ohne klassische Werte“? Schwierig!

  1. http://www.gothaer.de/de/zg/kcpublic/mi/gothaer_magazin_/2008_august_/anne-sophie_mutter_/Anne-Sophie_Mutter.htm [zurück]
  2. http://www.gothaer.de/de/zg/kcpublic/mi/gothaer_magazin_/2008_august_/anne-sophie_mutter_/Anne-Sophie_Mutter.htm [zurück]

Schöne Sache (Silvester)

Minikurze Ausführungen

Trotz des Wissens ob der eigenen Bedeutungslosigkeit (siehe auch Sticker abpopeln) hier zwei Anmerkungen:

doin our thing? ja, und zwar aufhören
ist in einer postmodernen studierendenstadt wie jena (vgl. „alles geht, nichts stört“) überhaupt noch eine stellungnahme möglich, dann: das ist nicht unsere party. aus gründen (labels wie „booking“, „organisation“, „veranstalterInnen“) und anderen gründen heißt es an dieser stelle: macht die scheisse doch selbst und/oder genießt kulturangebote. keineR der „verantwortlichen“ sieht sich noch in der lage dinge wie den letzten freitag zu verantworten.

school of zuversicht
Mit der Zuversicht, dass Leute, die denken, eher selten während ihres Komasuffs Frauen anfassend „Fotze“ brüllen, wird auf die Vortragsreihe „Wann hört Macht auf? Hier fängt Macht an. Lass uns nicht von Sex reden.“ hingewiesen.

Probiers mal mit Gemütlichkeit #3, Oder: Ich hab das Gefühl ich kenne die Raststätte

Mit dem Unargument

So schlecht, dass es schon wieder gut ist.
und der angeblichen neuen Kategorie ‚Comedy -HipHop‘ watscht das Campusradio Jena die Xberg Dhirty6 Cru ab und zeigt ein bekanntes Phänomen (Beispiel Helge Schneider): das, was nicht erklär-, versteh- und kategorisierbar ist, muss Quatsch sprich Comedy sein. Dabei ist es eben genau das (Quatsch Comedy Club, „unterhaltsame, größtenteils unpolitische Kleinkunstprogramme und bestimmte Arten von Unterhaltungssendungen im Fernsehen und Hörfunk“) nicht.
Zitat IllTill:
Ps.- Das ist nicht lustig

PPS: Comedy ist nicht lustig.

Reiss das Maul auf und beende diese Phase

[…]das Sprache trägt und zwar auch mich und was ich trage[…]1

„Du wirst schon sehen, was du davon hast“, mit diesem Satz auf sprachlich geäußerte Nonkonformität (Wahrheit, Ironie, Frechheit) zu antworten ist in höchstem Maß regressiv. Jene vermeintlich lapidare Äußerung vermittelt, dass (die angedeutete) Handlung konsequent Strafe nach sich zieht. Diese Strafe, und auch das wird dem Adressaten verklickert, ist unpräzise, spirituell (Vgl. Karma) und unbeeinflussbar, da zwar deutlich wird, dass die geplante Handlung oder Aussage Folgen haben wird, aber nicht welcher Art diese sein werden. Damit einhergeht, dass die zukünftige Konsequenz über die vernunftsmäßige Entscheidung oder subjektive Meinung gestellt wird. Zusätzlich wird durch dieses Statement jegliches nonkonformistische Handeln und Denken für nutzlos erklärt und letztlich das Gegenüber mundtot (≠ Maul aufreißen) gemacht.

  1. Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, Geschichte Spricht [zurück]

Hennings Welt

Ähnlich wie Jostein Gaarder, der im August 2006 mit einem Artikel Israel das Existenzrecht absprach, ist nun auch Krimiautor Henning Mankell dabei, die „Israelfrage“ zu beantworten. Auf dem Blog der Gesellschaft für bedrohte Völker wurde Mankells Pamphlet veröffentlicht, nun aber wieder entfernt und sich seitens der GfbV davon distanziert. Sowohl hier, als auch hier lässt sich Mankells Einstellung zu Israel verfolgen.
Grundsätzlich:

Was ich während dieser Reise sah, war völlig eindeutig: der Staat Israel ist in seiner gegenwärtigen Form ohne Zukunft.
1
Mankell kann nicht nur mürrische Krimis schreiben, er kann auch die Zukunft voraussehen:
Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.
2
Außerdem ist interessant, dass in Hennings Welt die Israelis mit ihrer Besetzungspolitik an den palästinensischen „Selbstmordbombern“ Schuld haben:
Ist es verwunderlich, dass ein Teil von ihnen desperat ist, wenn sie keinerlei Ausweg aus diesem Leben sehen, dass sie sich entscheiden, sich in einen Selbstmordbomber zu verwandeln? Wohl kaum oder? Verwunderlich ist nur, dass es nicht mehr tun.

Auch der Antisemitismus ist kein Antisemitismus, sondern „normaler Hass“:

Ich stiess auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Hass auf die Besatzer. Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.

Dinge auseinanderhalten ist in Hennings Welt ziemlich wichtig, zum Beispiel die Frage nach Privilegien. Von diesen haben die Israelis sowieso zu viele:

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben (sic!).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Hennings Welt kein Platz ist für Israel, denn Israel zerstört Leben und muss deshalb zerstört werden:

Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte.Die Israelis vernichten Leben. Aber sie können nicht die Träume zerstören. Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist. Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.

Edit:
Dank Google und diesem sogenannten Internet werden einige Reaktionen des Erfahrungsbericht explizit. Im „Schwedenforum“ kann man zugeben: „endlich sagts mal jemand“!

…der Vorteil, den die „intellektuellen Promis“ haben, ist zweifellos der, Dinge beim Namen nennen zu dürfen, ohne in die antisemitische Ecke gestellt zu werden, in die wir „Normalos“ bei gleicher Äußerung gestellt werden würden. Ich hoffe, dass noch viel mehr „Mankells“ den Mund aufmachen werden und vor allem müssen noch viel mehr Menschen Finkelsteins Buch lesen…

  1. http://www.palaestina.org/news/beitraege/zeigeBeitrag.php?ID=782 ; http://www.hintergrund.de/20090611410/politik/welt/von-apartheid-gestoppt.html [zurück]
  2. Ebd. [zurück]

Was ist, ist – Was nicht ist, ist möglich

Wie keine andere Kleinstadt des Ostens“ ist Jena von der Gentrification betroffen (Vgl. http://jena.antifa.net/ ). Dass Gentrification eigentlich die Aufwertung eines Stadtteils meint, wird dabei vergessen bzw. kann mensch es natürlich so sehen, dass Gesamtjena gentrifiziert ist (außer Lobeda und Winzerla?!). Blickt man jedoch mal über die Kernberge hinaus sieht die Sache anders aus. Das ostdeutsche Kleinstadtidyll Jena, bedroht vom Kulturschwund (Caleidospheres, Capitol), hohen Mieten und 20.000 Studierenden ist eben nicht Ostdeutschland. Dass Städte wie Münster oder Nürnberg, und eben auch Jena, auf aktivistische Wirrköpfe (KünstlerInnen, LiteratInnen, RaumpionierInnen) verzichten können, liegt wohl letztendlich daran, dass sie gesättigt sind. Was soll da erst „gentrifiziert“ und dann „entyuppisiert“ werden?! Doch in Chemnitz (Kleinstadt in Ostdeutschland, Stadt der Moderne, NPD, Stadt- und Landflucht, Wohnungsleerstand) sieht das anders aus. Hier ist man bemüht, die „aktivistischen Wirrköpfe“ gänzlich nach Leipzig zu schicken, obwohl Chemnitz (mit dem eigenen Niedergang im Nacken) eigentlich angewiesen ist auf eben diese „Aktivisten“. Mit der Besetzung der Karl-Immermann-Straße 23 am 20.06.2007 nahmen sich junge Leute das, was ihnen auf legalem Weg nicht genehmigt wurde: geilen Lebensraum. Die weitere Entwicklung zum Verein „Experimentelles Karree“ (das Karree um die Reitbahnstraße als soziokulturelles Zentrum zu nutzen) und der momentane Stand der Verhandlungen mit Stadtrat und GGG (führendes Wohnungsunternehmen der Stadt Chemnitz) sind im Reader nachzulesen.
Und dann wird auch deutlich, warum in (Ost-)Deutschland anscheinend gilt „Was nicht ist, kann niemals sein“ anstatt, wie es bei den Einstürzenden Neubauten heißt, „Nur was nicht ist, ist möglich“.

„queer“ ist das neue „bad taste“

Am letzten Donnerstag initiierte das Gleichstellungsreferat (haha) eine coole „Alternative Gender Party“. Dies bedeutete, dass alle (!) die mindestens (!!) zwei (nicht weniger) Accessoires des jeweils anderen Geschlechts tragen (dies heißt: alle Frauen mit Krawatte und Hose, alle Männer mit Rock und/oder Kleid) bzw. sich verkleiden kostenlos Party machen dürfen. Musikalische und auch sonstige Beschallung (ohne Witz: Karaoke) waren da zu verorten, was gemeinhin als „Bad Taste“ oder „Trash“ bezeichnet wird. Es fordert regelrecht zum Kotzen auf, dass „queer“ oder auch „undoing gender“ sowohl ins Lächerliche gezogen wird („Freier Eintritt für alle Verkleideten“) und außerdem zum bloßen Partybegriff verkommt. Ähnlich der aus allen Löchern schießenden Badtastepartys, mittels derer man sozial erwünscht, kollektiv und total crazy (weil hässlich), gepflegt die Sau raus lassen darf um dem ungeliebten Alltag zu entkommen oder genau da gut zu funktionieren, mimt mensch für einen Abend den Außenseiter. Dass hier Geschlechterstereotype reproduziert statt hinterfragt werden, sollte eigentlich klar sein. Viel ärgerlicher erscheint jedoch die Assoziation des „gender“ oder „doing gender“mit „Trash“, Karaoke und Bad Taste, also mit etwas, das sowohl alltagsfern, da anscheinend nur wochenendtauglich, als auch letztenendes „eigentlich hässlich“ ist.

Es gibt nur eine gefühlte Art von „Scheiße“. Oder: Gottseidank ist Indie alles andere als Emo

„Indie ist heute eigentlich Mainstream, aber tanzbar bleibt es trotzdem.“ Zu dieser coolen Erkenntnis kommt das Campusradio Jena mittels einer scharfsinnigen Analyse, die sich auf der eigentlich schon zum Scheitern verurteilten Suche nach Kategorisierungen auf (mindestens) einen Irrweg begibt.
„Indie ist alles, was nicht Emo ist“, sprich „Indie“ ist extrovertiert, männlich, lebensbejahend und alles andere als subversiv. Ganz klar, das alles ist „Indie“. Und diese (an den, dem „Emo“ gleichenden, Indiehaaren herbeigezogene) Kategorisierung funktioniert nur mittels Abgrenzung zum und durch Auschluss des Anderen, des Abzulehnenden, in diesem Fall „Emo“.1

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22417.html [zurück]

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Der MED-Club e.V., Studentenclub des Fachbereichs Medizin an der FSU Jena, lud zum Fasching in die Lougebar (nicht zu verwechseln mit: Lougenbrezel). Von Studenten für Studenten und gesponsert von Thalia (Bücher, Medien und mehr).



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