Archiv für November 2008

Probiers mal mit Gemütlichkeit

Unter den gekräuselten Blättern der Kastanien am Rande des Marktplatzes gibt es noch vier weitere Tische. Lange, bevor die übrigen 50 Marktstände und Wagen eintreffen, bilden sie hier mit dem von Daus bereits eine Reihe. Grüne Petersiliensträuße sind auf einer der Tischplatten zwischen Pyramiden aus rotbäckigen Äpfeln und tiefgelben Quitten ausgebreitet. Auf dem Pflaster liegen zwei medizinballgroße Kürbisse. Hinter jedem Tisch herrscht geschäftiges Treiben. Eine stämmige Frau mit weißem Haar ächzt kurz, als sie sich nach vorn beugt und Walnüsse in eine Plastikschale purzeln lässt.1

Jenaer Markttreiben aus Sicht des Akrützel. Wieso wartet der mittlerweile zweite Kommentarversuch ewig auf seine Freigabe?

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  1. http://www.akruetzel.de/, Artikel „Ein Rest von Gemütlichkeit“ , 13.11.2008[zurück]

„Der Künstler ohne eigene Imagination ist eine dem Vampir verwandte Figur, jemand, der sich von anderen ernährt.“

Der Plot des Films Novemberkind ist „schnell“ erzählt. „Wie man etwas erinnern oder nicht mehr erinnern kann, worin die eigene Geschichte besteht und welche Rechte man auf sie hat – das sind die Themen von »Novemberkind«.“1 Dazu gesellt sich jedoch noch eine, wie es Susan Sontag nennt, ästhetische Doppelmoral.2, die allen Kriegsfotografien eigen ist: Einerseits können sie Gewissen wachrütteln, es andererseits abstumpfen. Natürlich handelt es sich bei »Novemberkind« nicht um einen Kriegsfilm, diese Doppelmoral wird trotzdem deutlich: Der Professor für kreatives Schreiben Robert begleitet Inga auf der Suche nach ihrer Mutter, trotz oder gerade weil er diese Story braucht, nämlich um seinen ersten Roman zu schreiben. „Mittendrin, statt nur dabei“, genau wie die ZuschauerInnen. Ohne die [männliche] Schriftstellerinstallierung wäre der Film gelinde ausgedrückt bumslangweilig. Doch durch den Protagonisten „Robert“ wird deutlich: Dies ist nicht dein Leiden, es ist das Leiden der anderen.

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/47/30447.html [zurück]
  2. Sontag, Susan: Das Leiden der anderen betrachten, S. 49/50. [zurück]
  3. http://www.critic.de/filme/detail/film/novemberkind-1444.html [zurück]

wurst käse szenario?

Leute, es ging schon immer um die Wurst!

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Manche mögens gesund…

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…oder süß!

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„Und die Schuldigen sitzen in Berlin.“

we are all prostitutes: Prostitution, ein vertracktes und übergangenes Thema

Das „unangenehme, vernachlässigte Thema“ im (Pop-)Feminismus ist und bleibt, neben Schwangerschaftsabbruch1 und Sex von Behinderten2, die Prostitution. Auf der einen Seite findet die Kopplung von Sex und Geld stetig statt, doch erscheint die Beschäftigung mit dem Thema Prostitution eher schwierig. Entweder wird allen (bei Kate Millett weiblichen) Mitgliedern der Gesellschaft ein Prostituiertenstatus zugesprochen, wobei nur eine „[…]Minderheit [diesen] professionell umsetzt[…]“3. Somit wäre Prostitution eine logische Weiterführung der Sexualisierung der Gesellschaft und letztendlich sogar eine Verweigerung und Ablehnung der traditionellen Frauenrolle, da Prostitution gängige Vorstellungen weiblicher Sexualität ( inaktiv, romantisch, treu) ablehnt. Hierin ist eine Entmystifizierung gängiger Vorstellungen von Ehe und Liebe zu sehen und somit eine Avantgarde-Position der Prostituierten.4
Auf der anderen Seite kann die Prostitution auch als gänzlich zu verachtend betrachtet werden, da in ihr der reine Dienst am Patriarchat zum Ausdruck kommt und Prostitution eine Fortsetzung der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau darstellt.5 Die Frau als Opfer sei folglich aus dieser Misere zu befreien. In der feministischen Forschung sind folglich zwei Positionen zu erkennen, die Prostituierten als Avantgarde, als selbstbestimmte Frau, die eigenständig Geld verdient und gängige Rollenstereotype untergräbt. Auf der anderen Seite die Position der Prostituierten als Opfer (Zwangsprostitution)und der Prostitution als Festigung von Geschlechtsrollen (Zuhälter als Beschützer; Mann bezahlt Frau), die es abzuschaffen gilt.
Die permanente Herstellung von Geschlechterungleichheiten sind zentraler Bestandteil kapitalistischer Reproduktion. Der Kapitalismus brauch um funktionieren zu können ein Hinterland, in dem kapitalistische Gesetze nicht funktionieren. Dieses Hinterland steht metaphorisch unter anderem für das Verhältnis der Geschlechter. Bezüglich der Prostitution kann hierbei gesagt werden, dass dieser metaphorische Charakter verloren geht und in das Verhältnis der Geschlechter, welches in gesellschaftlich anerkannter Form wie Familie/Ehe/Partnerschaft frei von kapitalistischen Gesetzen funktioniert, der Faktor Geld hinzukommt und somit die Unklarheit groß wird. In dieser nicht-abstrakten, nicht verschleierten Kopplung von Geschlecht und Kapitalismus liegt die Problematik der Auseinandersetzung damit.
Bereits The Pop Group macht mit dem Lied We are all prostitutes diese Problematik deutlich. We are all prostitutes und Everyone has their price singt Mark Stewart, denn Capitalism is the most barbaric of all religions. Eine Diskussion über Prostitution ist und bleibt eine Diskussion über Kapitalismus und konsequenterweise eine Kritik. 6
Tina Turner schafft mit dem Song Private Dancer eine Diskussion über das Thema Prostitution: aus der Sicht einer Private Dancer wird die Motivation dieser Arbeit besungen: I want to make a million dollars
I wanna live out by the sea
Die Problematik des Textes liegt darin, dass Tina Turners Private Dancer diese Arbeit macht um letztendlich mit einem Ehemann und einer Familie an einem See zu wohnen. Diese Arbeit zeigt sich somit als eine Übergangssituation auf dem Weg in eine normale Zukunft mit Ehemann und Familie. Hier wird die stereotyp-weibliche Vorstellung einer romantischen Liebe aufgemacht, wohingegen die Arbeit mit all diesen Männern (All the men come in these places/And the men are all the same/You don‘t look at their faces/And you don‘t ask their names/You don‘t think of them as human/You don‘t think of them at all ) ein reiner Gelderwerb zu sein scheint. Tina Turners Private Dancer bleibt somit in der Opferrolle, da dieser „Dienst am Mann“ zur Erfüllung einer zukünftigen Traumvorstellung („mit einem Mann am See leben“) dient. Von einer Verweigerung oder Ablehnung der Frauenrolle kann folglich nicht die Rede sein, da genau das Gegenteil angestrebt wird. Der Private Dancer ist vielmehr eine Fortsetzung der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, da die Frau diese „anonyme Arbeit“ erduldet, um in naher oder ferner Zukunft mit dem erarbeiteten Geld ein Leben by the sea zu führen.
Zwei weitere Lieder machen eine andere Problematik auf: Die Befreiung der Frau aus der Prostitution durch einen Mann. Zum einen The Police mit Roxanne und Sido mit seinem Schlager-HipHop-Song Carmen. Die Struktur der Lieder bleibt ähnlich: Ein männlicher Protagonist verliebt sich in eine Prostituierte, Roxanne und Carmen, und möchte sie aus dieser Situation befreien [Sido: Für dich würd ich sterben, Carmen/Glaub mir, eines Tages hol ich dich da raus/[…]Dann gehn´ für dich die roten Lichter aus ; The Police: Roxanne, you don‘t have to put on the red light/Those days are over]. Die tatsächliche Arbeit der Prostituierten bleibt seltsam unklar („Red ligth[…]that dress“), die Rolle des männlichen Verliebten rückt in den Vordergrund. Und auch in beiden Stücken erfolgt eine Festigung von Geschlechtsrollen. Beide männlichen Protagonisten wollen die Frau nicht mit anderen Männern teilen (I won‘t share you with another boy) und bei Sido etwas expliziter (Du gehörst mir, du bist meine Frau). Darin liegt auch das eigentliche Problem mit der beruflichen Tätigkeit von Carmen und Roxanne.

  1. Diehl, Sarah: Auch das gehört im Leben dazu. Der Schwangerschaftsabbruch: das unangenehme, vernachlässigte Thema, In: Sonja Eismann (Hrsg.), Hot Topic. Popfeminismus heute, S. 52-66 [zurück]
  2. „Auf einmal sagen mir Leute, ich solle Lisa sterilisieren lassen.“, Interview mit Andrea Losch, In: Sarah Diehl (Hrsg.): Brüste kriegen, S. 113-115. [zurück]
  3. Millett, Kate: Das verkaufte Geschlecht: Die Frau zwischen Gesellschaft und Prostitution [zurück]
  4. Schmackpfeffer, Petra: Frauenbewegung und Prostitution. Über das Verhältnis der alten und neuen deutschen Frauenbewegung zur Prostitution. [zurück]
  5. Millet, Kate [zurück]
  6. Der Remix des Songs von Adam Sky war ein relativ großer Erfolg im Jahr 2007. [zurück]

„jetzt mal ohne rasistisch klingen zu wollen, aber…“ – Jnights, jena hautnah

„Rechtsextremismus ist aber ein politisches Problem in der Mitte der Gesellschaft.“1 Dass dies nicht häufig genug betont werden kann macht Oliver Decker in seiner Arbeit „Vom Rand zur Mitte“ deutlich. Hierbei greife, so Decker, der Begriff Rechtsextremismus nicht genügend, viel mehr finden sich in Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus die meisten Übereinstimmungen in der Gesamtbevölkerung. Es wird deutlich, dass Rechtsextremismus nicht nur ein Problem des Verfassungsschutzes oder einer politischen Institution ist sondern mehr noch für „[…]jede gesellschaftliche Institution[…]2“.

jnights, DIE Internetcommunity in Jena

240 Profilviews, 0 Gästebucheintrage bezüglich der „Sonst. Interessen“ oder „Was ich mag/ Was ich nicht mag“. Mehrere Privatnachrichten später fragte ein User unverblümt: „und warum magst du keine ausländer“ Antwort: „also, ich mag ausländer und so, wenn sie sich halt anpassen weißte“ „ja gut aber dann muss man aber sowas nicht ins profil schreiben es gibt genug andere dinge die man nicht mögen muss!!!!“ „bist du bei der antifa?“; „ja total mein spitzname is kante auf meiner schulter sitz ne ratte und kackt auf meine lederjacke mit nieten………. ne bin ich nicht ich mag keine punks“

Ein Klick später landet mensch auch schon bei einem eindeutigen Profil. Endlich hat Richie Gleichgesinnte gefunden.
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Im Forum kann unter der Rubrik „Smalltalk“ über alles geredet werden, was einem „auf der Seele liegt“. Im Thread „Hate it or love it“ wird dies auch getan: „es geht um unseren vater staat und deren regierung“
Hier die besten Auszüge, selbstredend alles copy/paste:

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„ich denke wenn das ganze volk zusammenhält kann man an diesen sachen auch was verändern! das hat aber wiederum ein problem, denn nicht jeder outet sich bzw. sagt nicht was ihn ankotzt, da, und das ist was mich ankotzt, man gleich wieder als rechtsradikal oder sonstwie betitel wird. das ist in meinen augen eines der hauptursachen, warum es uns zur zeit so geht, nur weil der staat nie wieder einen krieg anfangen will, muss das nicht heißen das wir uns alles gefallen lassen müssen“

„beziehen wir das doch mal ganz einfach auf die steigende ausländer zahl,will damit nicht sagen das ich was gegen diesen hab,einige gute freunde von mir sind ausländer. der staat für zb. türken ne muschee(oder wie man das auch schreiben mag),versuch ma in der türkei ne kirche zu bauen, die lachen dich aus“; „lach dir hier einfach mal nen Türkisches Mädel an und schieb der nen Braten in die Röhre … und das alles vor der Hochzeit … die machen dich kaputt wenn de dich nicht gut genug verstecken tust! … …“

„Also ich stimme euch erst mal zu aberdas problem an der ganzen Sache ist das wir bald selber ausländer werden in unseren eigenen Land weil sie immer mehr reinlassen.“

„jetzt mal ohne rasistisch klingen zu wollen, aber ich denke jeder sollte ein gesundes national-denken haben, aus länder können das auch,.. hier wird man als (wie du schon gesagt hast) als rechtsradikal eingestufft. wenn ich mir dann noch das dumme gelaber von so manchen türken anhören muss das die türkei tausendmal besser sei als deutschland… frag mich dann jedes mal was die dann hier zu suchen haben“

Hier die gesamte Diskussion.

Jnights hält was es verspricht: „JENA HAUTNAH“!

Edit: Der Forumsthread wurde leider gelöscht.

  1. http://library.fes.de/pdf-files/do/04088a.pdf [zurück]
  2. http://library.fes.de/pdf-files/do/04088a.pdf, S. 159 [zurück]

deutsch deutscher deutschland

rosa extra spiegel

LINKSEXTREMISTEN
oder: Was denkt die NPD vom Conne Island?

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DEUTSCHE KULTUR oder: Wie prägen eigentlich „Migranten“ die „deutsche“ Kultur?

WER SIND WIR, WOHER KOMMEN WIR, WAS IST UNSER WEG oder: Warum?

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