Archiv für Mai 2009

„queer“ ist das neue „bad taste“

Am letzten Donnerstag initiierte das Gleichstellungsreferat (haha) eine coole „Alternative Gender Party“. Dies bedeutete, dass alle (!) die mindestens (!!) zwei (nicht weniger) Accessoires des jeweils anderen Geschlechts tragen (dies heißt: alle Frauen mit Krawatte und Hose, alle Männer mit Rock und/oder Kleid) bzw. sich verkleiden kostenlos Party machen dürfen. Musikalische und auch sonstige Beschallung (ohne Witz: Karaoke) waren da zu verorten, was gemeinhin als „Bad Taste“ oder „Trash“ bezeichnet wird. Es fordert regelrecht zum Kotzen auf, dass „queer“ oder auch „undoing gender“ sowohl ins Lächerliche gezogen wird („Freier Eintritt für alle Verkleideten“) und außerdem zum bloßen Partybegriff verkommt. Ähnlich der aus allen Löchern schießenden Badtastepartys, mittels derer man sozial erwünscht, kollektiv und total crazy (weil hässlich), gepflegt die Sau raus lassen darf um dem ungeliebten Alltag zu entkommen oder genau da gut zu funktionieren, mimt mensch für einen Abend den Außenseiter. Dass hier Geschlechterstereotype reproduziert statt hinterfragt werden, sollte eigentlich klar sein. Viel ärgerlicher erscheint jedoch die Assoziation des „gender“ oder „doing gender“mit „Trash“, Karaoke und Bad Taste, also mit etwas, das sowohl alltagsfern, da anscheinend nur wochenendtauglich, als auch letztenendes „eigentlich hässlich“ ist.

Es gibt nur eine gefühlte Art von „Scheiße“. Oder: Gottseidank ist Indie alles andere als Emo

„Indie ist heute eigentlich Mainstream, aber tanzbar bleibt es trotzdem.“ Zu dieser coolen Erkenntnis kommt das Campusradio Jena mittels einer scharfsinnigen Analyse, die sich auf der eigentlich schon zum Scheitern verurteilten Suche nach Kategorisierungen auf (mindestens) einen Irrweg begibt.
„Indie ist alles, was nicht Emo ist“, sprich „Indie“ ist extrovertiert, männlich, lebensbejahend und alles andere als subversiv. Ganz klar, das alles ist „Indie“. Und diese (an den, dem „Emo“ gleichenden, Indiehaaren herbeigezogene) Kategorisierung funktioniert nur mittels Abgrenzung zum und durch Auschluss des Anderen, des Abzulehnenden, in diesem Fall „Emo“.1

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22417.html [zurück]