„queer“ ist das neue „bad taste“

Am letzten Donnerstag initiierte das Gleichstellungsreferat (haha) eine coole „Alternative Gender Party“. Dies bedeutete, dass alle (!) die mindestens (!!) zwei (nicht weniger) Accessoires des jeweils anderen Geschlechts tragen (dies heißt: alle Frauen mit Krawatte und Hose, alle Männer mit Rock und/oder Kleid) bzw. sich verkleiden kostenlos Party machen dürfen. Musikalische und auch sonstige Beschallung (ohne Witz: Karaoke) waren da zu verorten, was gemeinhin als „Bad Taste“ oder „Trash“ bezeichnet wird. Es fordert regelrecht zum Kotzen auf, dass „queer“ oder auch „undoing gender“ sowohl ins Lächerliche gezogen wird („Freier Eintritt für alle Verkleideten“) und außerdem zum bloßen Partybegriff verkommt. Ähnlich der aus allen Löchern schießenden Badtastepartys, mittels derer man sozial erwünscht, kollektiv und total crazy (weil hässlich), gepflegt die Sau raus lassen darf um dem ungeliebten Alltag zu entkommen oder genau da gut zu funktionieren, mimt mensch für einen Abend den Außenseiter. Dass hier Geschlechterstereotype reproduziert statt hinterfragt werden, sollte eigentlich klar sein. Viel ärgerlicher erscheint jedoch die Assoziation des „gender“ oder „doing gender“mit „Trash“, Karaoke und Bad Taste, also mit etwas, das sowohl alltagsfern, da anscheinend nur wochenendtauglich, als auch letztenendes „eigentlich hässlich“ ist.


5 Antworten auf “„queer“ ist das neue „bad taste“”


  1. 1 Sascha 18. Mai 2009 um 22:44 Uhr

    Guter Artikel, danke.

    „When Madonna came out with her hit „Vogue“ you knew it was over. She had taken a very specifically queer, transgendered, Latino and African-American phenomenon and totally erased that context with her lyrics, „It makes no difference if you‘re black or white, if you‘re a boy or a girl.“ Madonna was taking in tons of money, while the Queen who actually taught her how to vogue sat before me in the club, strung out, depressed and broke. So if anybody requested „Vogue“ or any other Madonna track, I told them, „No, this is a Madonna-free zone! And as long as I‘m DJ-ing, you will not be allowed to vogue to the decontextualized, reified, corporatized, liberalized, neutralized, asexualized, re-genderized pop reflection of this dance floor’s reality!“" (Terre Thaemlitz)

  2. 2 ee v ee 20. Mai 2009 um 17:14 Uhr

    diese party war nicht nur bad taste, sie hat mich wirklich beleidigt. wenn freunde von mir an der kasse stehen und mit ihrer alltagskleidung zu einer party gehen möchten und diese eine jeans und eine drei-streifen-sportjacke ist, dann verlange ich von jedem verdammten veranstalter, dass dieser mensch ernst genommen wird. dem weit gefehlt, wurde jedoch meine gute freundin in meinen augen mit den worten: „schön, dass du verkleidet kommst und bewusst in eine andere geschlechterrolle schlüpfst“ aufs böseste beleidigt. sportklamotten wären männlich konnotiert? was?
    wollte dieser furchtbare mensch vom gleichstellungsreferat nicht gleichstellen und weniger menschen stigmatisieren, kategorisieren und in schubladen stampfen??? stattdessen ruft er auf, kostümiert zu erscheinen. wie soll man da ernst genommmen werden? schlimm. und sowas hat so einen posten. entschuldigung: wenn das queer ist, dann bin ich alles andere als das!!!

  3. 3 rosaextrablatt 29. Juli 2009 um 12:38 Uhr

    So klingt das dann im Rechenschaftsbericht des Gleichstellungsreferats:

    Die Genderparty wurde konzipiert von Cindy und Christian mit dem Ziel, spielerisch auf einer Fete mit Geschlechterrollen zu spielen. Deswegen war der Einlass frei für alle StudentInnen, die in ihrem Outfit bzw. Kostüm in das „andere Geschlecht“ geschlüpft sind oder in irgendeiner Form „extreme Geschlechterkategorien“ repräsentiert haben. Zusätzlich wurde eine Bodypainterin engagiert, um mit der Körperlichkeit und malerischer Beschmückung zu spielen. Zudem wurde zur musikalischen Unterhaltung eine Karaokemaschine in den Rosenkeller zur Nutzung frei gestellt, wobei die Karaoke von Christin moderiert wurde, während Marcel und Michael für die Gestaltung der Deko und den Einlass zur Verfügung standen und ein Vertreter des FSR Soz/ Pol sowie eine Gast-Djane am Mainfloor für Musik gesorgt haben, um das bunte Publikum zu unterhalten.

  4. 4 fränzipopänzi 14. Oktober 2009 um 14:05 Uhr

    ich empfehle „rasches Quickie-Selbststudium“ für den „Switch (internode)“ aaahhhhh!

    übrigens scheint der rechenschaftsbericht des gleichstellungsreferats immer noch zu wachsen – wie krebs quasi.

  5. 5 achim 01. Dezember 2009 um 5:18 Uhr

    lustig: „spielerisch mit rollen zu spielen“; & ich finde es sowieso komisch, dass es menschen gibt, die sich als link oder kritisch oder aufgeweckt bezeichnen, und die denken queer heißt sich „verkleiden“, es heißt ja gerade ich nicht mehr verkleiden müsen; und ja, das leigt daran, dass es sich um eine studentenparty handelt; alles was putzig ist und verrückt: die asten tuns!

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