Archiv für Juni 2009

Was ist, ist – Was nicht ist, ist möglich

Wie keine andere Kleinstadt des Ostens“ ist Jena von der Gentrification betroffen (Vgl. http://jena.antifa.net/ ). Dass Gentrification eigentlich die Aufwertung eines Stadtteils meint, wird dabei vergessen bzw. kann mensch es natürlich so sehen, dass Gesamtjena gentrifiziert ist (außer Lobeda und Winzerla?!). Blickt man jedoch mal über die Kernberge hinaus sieht die Sache anders aus. Das ostdeutsche Kleinstadtidyll Jena, bedroht vom Kulturschwund (Caleidospheres, Capitol), hohen Mieten und 20.000 Studierenden ist eben nicht Ostdeutschland. Dass Städte wie Münster oder Nürnberg, und eben auch Jena, auf aktivistische Wirrköpfe (KünstlerInnen, LiteratInnen, RaumpionierInnen) verzichten können, liegt wohl letztendlich daran, dass sie gesättigt sind. Was soll da erst „gentrifiziert“ und dann „entyuppisiert“ werden?! Doch in Chemnitz (Kleinstadt in Ostdeutschland, Stadt der Moderne, NPD, Stadt- und Landflucht, Wohnungsleerstand) sieht das anders aus. Hier ist man bemüht, die „aktivistischen Wirrköpfe“ gänzlich nach Leipzig zu schicken, obwohl Chemnitz (mit dem eigenen Niedergang im Nacken) eigentlich angewiesen ist auf eben diese „Aktivisten“. Mit der Besetzung der Karl-Immermann-Straße 23 am 20.06.2007 nahmen sich junge Leute das, was ihnen auf legalem Weg nicht genehmigt wurde: geilen Lebensraum. Die weitere Entwicklung zum Verein „Experimentelles Karree“ (das Karree um die Reitbahnstraße als soziokulturelles Zentrum zu nutzen) und der momentane Stand der Verhandlungen mit Stadtrat und GGG (führendes Wohnungsunternehmen der Stadt Chemnitz) sind im Reader nachzulesen.
Und dann wird auch deutlich, warum in (Ost-)Deutschland anscheinend gilt „Was nicht ist, kann niemals sein“ anstatt, wie es bei den Einstürzenden Neubauten heißt, „Nur was nicht ist, ist möglich“.