Archiv für August 2009

Probiers mal mit Gemütlichkeit #3, Oder: Ich hab das Gefühl ich kenne die Raststätte

Mit dem Unargument

So schlecht, dass es schon wieder gut ist.

und der angeblichen neuen Kategorie ‚Comedy -HipHop‘ watscht das Campusradio Jena die Xberg Dhirty6 Cru ab und zeigt ein bekanntes Phänomen (Beispiel Helge Schneider): das, was nicht erklär-, versteh- und kategorisierbar ist, muss Quatsch sprich Comedy sein. Dabei ist es eben genau das (Quatsch Comedy Club, „unterhaltsame, größtenteils unpolitische Kleinkunstprogramme und bestimmte Arten von Unterhaltungssendungen im Fernsehen und Hörfunk“) nicht.
Zitat IllTill:

Ps.- Das ist nicht lustig

PPS: Comedy ist nicht lustig.

Reiss das Maul auf und beende diese Phase

[…]das Sprache trägt und zwar auch mich und was ich trage[…]1

„Du wirst schon sehen, was du davon hast“, mit diesem Satz auf sprachlich geäußerte Nonkonformität (Wahrheit, Ironie, Frechheit) zu antworten ist in höchstem Maß regressiv. Jene vermeintlich lapidare Äußerung vermittelt, dass (die angedeutete) Handlung konsequent Strafe nach sich zieht. Diese Strafe, und auch das wird dem Adressaten verklickert, ist unpräzise, spirituell (Vgl. Karma) und unbeeinflussbar, da zwar deutlich wird, dass die geplante Handlung oder Aussage Folgen haben wird, aber nicht welcher Art diese sein werden. Damit einhergeht, dass die zukünftige Konsequenz über die vernunftsmäßige Entscheidung oder subjektive Meinung gestellt wird. Zusätzlich wird durch dieses Statement jegliches nonkonformistische Handeln und Denken für nutzlos erklärt und letztlich das Gegenüber mundtot (≠ Maul aufreißen) gemacht.

  1. Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, Geschichte Spricht [zurück]

Hennings Welt

Ähnlich wie Jostein Gaarder, der im August 2006 mit einem Artikel Israel das Existenzrecht absprach, ist nun auch Krimiautor Henning Mankell dabei, die „Israelfrage“ zu beantworten. Auf dem Blog der Gesellschaft für bedrohte Völker wurde Mankells Pamphlet veröffentlicht, nun aber wieder entfernt und sich seitens der GfbV davon distanziert. Sowohl hier, als auch hier lässt sich Mankells Einstellung zu Israel verfolgen.
Grundsätzlich:

Was ich während dieser Reise sah, war völlig eindeutig: der Staat Israel ist in seiner gegenwärtigen Form ohne Zukunft.

1
Mankell kann nicht nur mürrische Krimis schreiben, er kann auch die Zukunft voraussehen:

Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.

2
Außerdem ist interessant, dass in Hennings Welt die Israelis mit ihrer Besetzungspolitik an den palästinensischen „Selbstmordbombern“ Schuld haben:

Ist es verwunderlich, dass ein Teil von ihnen desperat ist, wenn sie keinerlei Ausweg aus diesem Leben sehen, dass sie sich entscheiden, sich in einen Selbstmordbomber zu verwandeln? Wohl kaum oder? Verwunderlich ist nur, dass es nicht mehr tun.

Auch der Antisemitismus ist kein Antisemitismus, sondern „normaler Hass“:

Ich stiess auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Hass auf die Besatzer. Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.

Dinge auseinanderhalten ist in Hennings Welt ziemlich wichtig, zum Beispiel die Frage nach Privilegien. Von diesen haben die Israelis sowieso zu viele:

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben (sic!).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Hennings Welt kein Platz ist für Israel, denn Israel zerstört Leben und muss deshalb zerstört werden:

Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte.Die Israelis vernichten Leben. Aber sie können nicht die Träume zerstören. Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist. Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.

Edit:
Dank Google und diesem sogenannten Internet werden einige Reaktionen des Erfahrungsbericht explizit. Im „Schwedenforum“ kann man zugeben: „endlich sagts mal jemand“!

…der Vorteil, den die „intellektuellen Promis“ haben, ist zweifellos der, Dinge beim Namen nennen zu dürfen, ohne in die antisemitische Ecke gestellt zu werden, in die wir „Normalos“ bei gleicher Äußerung gestellt werden würden. Ich hoffe, dass noch viel mehr „Mankells“ den Mund aufmachen werden und vor allem müssen noch viel mehr Menschen Finkelsteins Buch lesen…

  1. http://www.palaestina.org/news/beitraege/zeigeBeitrag.php?ID=782 ; http://www.hintergrund.de/20090611410/politik/welt/von-apartheid-gestoppt.html [zurück]
  2. Ebd. [zurück]