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Arbeit ist geil

Die literarische Zukunft Deutschlands denkt einfach mal ganz unverbindlich ein bißchen über den Zusammenhang von Geld, Arbeit und Karma nach. Erstmal Basisthese aufstellen bzw. klauen:

„Der Kapitalismus ist in seinem Wesen zutiefst sozial“, schreibt Lotter.

Dann die These untermauern und selber eine aufstellen: Arbeit ist geil !

Nein, ich habe mir vorgenommen, nicht mehr für Geld zu arbeiten. Sondern für Karma. Deswegen versuche ich bereits während der Arbeitszeit mein Glück zu finden. Wie? Indem ich versuche meine Arbeit so zu gestalten, dass es viele Bedürfnisse deckt. Zum Beispiel das nach geistigem Wachstum, das nach Anerkennung und das nach sozialen Kontakten. Das ist sicherlich nicht in jedem Büro möglich. Aber dennoch erstrebenswert. Egal ob Frittenbude oder Architekturagentur.

Und wie schließt jeder gute SchülerInnenaufsatz ab? Genau! Mit einem Denkanstoß!

Komisch, warum sich die Menschen soviel Gedanken über Geld machen, und arbeiten bis zum Umfallen, um immer nur Geld anzuhäufen. Eigentlich müssten wir mit gleicher Intensität auch in unsere anderen Kapitale investieren: Zeit, Glück, guten Schlaf, gutes Essen, Kritikfähigkeit, Freundschaft und Liebe.

„Der Künstler ohne eigene Imagination ist eine dem Vampir verwandte Figur, jemand, der sich von anderen ernährt.“

Der Plot des Films Novemberkind ist „schnell“ erzählt. „Wie man etwas erinnern oder nicht mehr erinnern kann, worin die eigene Geschichte besteht und welche Rechte man auf sie hat – das sind die Themen von »Novemberkind«.“1 Dazu gesellt sich jedoch noch eine, wie es Susan Sontag nennt, ästhetische Doppelmoral.2, die allen Kriegsfotografien eigen ist: Einerseits können sie Gewissen wachrütteln, es andererseits abstumpfen. Natürlich handelt es sich bei »Novemberkind« nicht um einen Kriegsfilm, diese Doppelmoral wird trotzdem deutlich: Der Professor für kreatives Schreiben Robert begleitet Inga auf der Suche nach ihrer Mutter, trotz oder gerade weil er diese Story braucht, nämlich um seinen ersten Roman zu schreiben. „Mittendrin, statt nur dabei“, genau wie die ZuschauerInnen. Ohne die [männliche] Schriftstellerinstallierung wäre der Film gelinde ausgedrückt bumslangweilig. Doch durch den Protagonisten „Robert“ wird deutlich: Dies ist nicht dein Leiden, es ist das Leiden der anderen.

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/47/30447.html [zurück]
  2. Sontag, Susan: Das Leiden der anderen betrachten, S. 49/50. [zurück]
  3. http://www.critic.de/filme/detail/film/novemberkind-1444.html [zurück]