Archiv der Kategorie 'jena'

Schöne Sache (Silvester)

Minikurze Ausführungen

Trotz des Wissens ob der eigenen Bedeutungslosigkeit (siehe auch Sticker abpopeln) hier zwei Anmerkungen:

doin our thing? ja, und zwar aufhören
ist in einer postmodernen studierendenstadt wie jena (vgl. „alles geht, nichts stört“) überhaupt noch eine stellungnahme möglich, dann: das ist nicht unsere party. aus gründen (labels wie „booking“, „organisation“, „veranstalterInnen“) und anderen gründen heißt es an dieser stelle: macht die scheisse doch selbst und/oder genießt kulturangebote. keineR der „verantwortlichen“ sieht sich noch in der lage dinge wie den letzten freitag zu verantworten.

school of zuversicht
Mit der Zuversicht, dass Leute, die denken, eher selten während ihres Komasuffs Frauen anfassend „Fotze“ brüllen, wird auf die Vortragsreihe „Wann hört Macht auf? Hier fängt Macht an. Lass uns nicht von Sex reden.“ hingewiesen.

Probiers mal mit Gemütlichkeit #3, Oder: Ich hab das Gefühl ich kenne die Raststätte

Mit dem Unargument

So schlecht, dass es schon wieder gut ist.

und der angeblichen neuen Kategorie ‚Comedy -HipHop‘ watscht das Campusradio Jena die Xberg Dhirty6 Cru ab und zeigt ein bekanntes Phänomen (Beispiel Helge Schneider): das, was nicht erklär-, versteh- und kategorisierbar ist, muss Quatsch sprich Comedy sein. Dabei ist es eben genau das (Quatsch Comedy Club, „unterhaltsame, größtenteils unpolitische Kleinkunstprogramme und bestimmte Arten von Unterhaltungssendungen im Fernsehen und Hörfunk“) nicht.
Zitat IllTill:

Ps.- Das ist nicht lustig

PPS: Comedy ist nicht lustig.

„queer“ ist das neue „bad taste“

Am letzten Donnerstag initiierte das Gleichstellungsreferat (haha) eine coole „Alternative Gender Party“. Dies bedeutete, dass alle (!) die mindestens (!!) zwei (nicht weniger) Accessoires des jeweils anderen Geschlechts tragen (dies heißt: alle Frauen mit Krawatte und Hose, alle Männer mit Rock und/oder Kleid) bzw. sich verkleiden kostenlos Party machen dürfen. Musikalische und auch sonstige Beschallung (ohne Witz: Karaoke) waren da zu verorten, was gemeinhin als „Bad Taste“ oder „Trash“ bezeichnet wird. Es fordert regelrecht zum Kotzen auf, dass „queer“ oder auch „undoing gender“ sowohl ins Lächerliche gezogen wird („Freier Eintritt für alle Verkleideten“) und außerdem zum bloßen Partybegriff verkommt. Ähnlich der aus allen Löchern schießenden Badtastepartys, mittels derer man sozial erwünscht, kollektiv und total crazy (weil hässlich), gepflegt die Sau raus lassen darf um dem ungeliebten Alltag zu entkommen oder genau da gut zu funktionieren, mimt mensch für einen Abend den Außenseiter. Dass hier Geschlechterstereotype reproduziert statt hinterfragt werden, sollte eigentlich klar sein. Viel ärgerlicher erscheint jedoch die Assoziation des „gender“ oder „doing gender“mit „Trash“, Karaoke und Bad Taste, also mit etwas, das sowohl alltagsfern, da anscheinend nur wochenendtauglich, als auch letztenendes „eigentlich hässlich“ ist.

Es gibt nur eine gefühlte Art von „Scheiße“. Oder: Gottseidank ist Indie alles andere als Emo

„Indie ist heute eigentlich Mainstream, aber tanzbar bleibt es trotzdem.“ Zu dieser coolen Erkenntnis kommt das Campusradio Jena mittels einer scharfsinnigen Analyse, die sich auf der eigentlich schon zum Scheitern verurteilten Suche nach Kategorisierungen auf (mindestens) einen Irrweg begibt.
„Indie ist alles, was nicht Emo ist“, sprich „Indie“ ist extrovertiert, männlich, lebensbejahend und alles andere als subversiv. Ganz klar, das alles ist „Indie“. Und diese (an den, dem „Emo“ gleichenden, Indiehaaren herbeigezogene) Kategorisierung funktioniert nur mittels Abgrenzung zum und durch Auschluss des Anderen, des Abzulehnenden, in diesem Fall „Emo“.1

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22417.html [zurück]

Probiers mal mit Gemütlichkeit #2

Diesmal in der Abbe-Mensa:

12 Uhr: Im Abwaschraum steht Marianne Barthel mit einer weißen Schürze und Kappe, die sie mit einer Haarnadel befestigt hat. Sie sortiert das Geschirr in die Spülmaschine, das sich auf grauen Tabletts über die grünen Gummibänder in die Küche schiebt. „Manchmal stapeln die Leute alles aufeinander“, sagt sie. „Das kostet ziemlich viel Zeit beim Einsortieren.“ Barthel wirkt trotz der Fließbandarbeit nicht gestresst. Ein gutes Team seien sie hier, meint Küchenchef Schubart. Die Arbeit funktioniere reibungslos und wenn mal jemand krank wird, könne er sich auf die anderen verlassen. 1

  1. Essen für Millionen. Ein Blick in den Kochtopf: Die Abbe-Mensa wird zehn Jahre alt, http://www.akruetzel.de [zurück]

Es gibt Meinungen, deren Ungeschicklichkeit liegt in ihrer Unzeitigkeit.#2

Ich habe eine neue Wohnung im Stadtzentrum. Endlich raus aus Lobeda-Ost und rein in die Stadt Jena. Das ist so, als würde man vom Gaza-Streifen nach Malmö umziehen. Ich wohne ab März in einer WG, die mal eine Arztpraxis war. In die Wohnung führt ein Aufzug, so wie in den beschissenen Pseudo-WGs in GSZS. Der Flur ist so groß, dass ich überlege dort regelmäßig Basketballturniere stattfinden zu lassen. Oder eine Bloglesung.1

Dass dieser Vergleich eher schief als eben erscheint, brauch wohl nicht betont zu werden. Auffällig ist nur, dass eben jener Blogger auf schiefe Vergleiche steht.

Ich traue mich nicht auszusprechen, was ich über die israelische Regierung momentan denke. Ich möchte sie am liebsten mit einer ganz bestimmten Sache vergleichen, aber das darf man ja nicht. Deswegen tue ich es auch nicht. Ich bin der Meinung, dass es die Angelegenheit Israels ist, diesen Konflikt zu lösen, reagiert man ja auf eigenem Grund und Boden. Die Welt schaut wie immer zu und scheitert an den hohen Mauern der Diplomatie.2

  1. http://chaosplanet.phlekmaz.de/ [zurück]
  2. Ebd. [zurück]

Die Masse machts schon

Im neuen Erfurter Magazin hEFt wird versucht, dem Verhältnis von Stadt, Uni und Kultur auf den Grund zu gehen. Dabei wird festgestellt: Besser ists immer bei den anderen. In Erfurt gibt es lediglich 9.000 Studierende, die Studierendenstädte Münster und Jena seien hingegen kaum vorstellbar ohne ihre Hochschulen.

Dort, so die Vermutung, prägen Studierende das kulturelle Leben ihrer Stadt entscheidend mit. Und in Erfurt? Ketzerisch formuliert, verhält es sich wie mit dem Flughafen: das eine (Kultur) könnte auch ohne das andere (Hochschulen).1

Schuld an der mangelhaften Beteiligung der Studierenden am kulturellen Leben seien zum einen die im Rahmen der Bologna-Reform eingeführten Abschlüsse Bachelor und Master, die eine stärkere Normierung der Studierenden mit sich bringt und somit außeruniversitäre Beteiligungen selten werden lässt. Hinzu geselle sich eine ebenso im Zuge der Bologna-Reform aufkommende pragmatische Mentalität mit der die Studierenden ihr direktes Lebensumfeld ausblenden und eher „[…]pragmatisch [am persönlichen Lebenslauf] Feilen[…]“2.

Dummerweise bleibt dann aber das kreative Potential aus Weber, Habermas, Musil und Konsorten stadträumlich im Verborgenen. Zu wenig lockt die Versuchung, über theoretische Konstrukte wie Grassroot-Aktivismus und Empowerment nicht nur für die nächste Prüfung nachzudenken.3

Es sei dem Artikel nur eins zugefügt: Die Masse machts eben nicht. Der Studierendenanteil in Jena (30 Prozent) ist kein Garant für eine Gegenöffentlichkeit, da er selbst eine Öffentlichkeit und Zielgruppe bildet. In einer „Studi-Stadt“ wie Jena bilden sich dann kulturelle Festungen und Leitmedien, deren Einfluss auf das direkte Lebensumfeld (abseits vom reinen Kulturkonsum) fraglich ist. Und was fehlt: „[…] Leerstand auf dem Immobilienmarkt […]“4.

  1. die leiden der jungen bewerber, Zum Verhältnis von Stadt, Uni und Kultur, In: hEFt, brust oder keule, grundbedürfnisse Januar 2009. [zurück]
  2. Ebd. [zurück]
  3. Ebd.; zum Beispiel: Graswurzel-Journalismus [zurück]
  4. Ebd., In Erfurt herrscht Leerstand auf dem Immobilienmarkt, der, wie in anderen Städten, als kostengünstiger Nährboden und Experimentierfeld genutzt werden könnte, so der Autor. [zurück]

Jenaer desto besser?

Haben Sie sich schon einmal überlegt, nach Jena zu ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten oder an einer der traditionsreichsten Unis Deutschlands zu studieren? Nein? Weil Sie dabei nur an DDR-Tristesse mit Plattenbauten und Schlaglöchern gedacht haben? An Arbeitslosigkeit?1

Ja!

Sie sollten sich vom Gegenteil überzeugen (lassen). 18 Jahre nach der Wende sprießt das Mauerblümchen. 2

Achso?

Die Stadt an der Saale hat heute einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Hochqualifizierten und zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen. Und kulturell wartet Jena längst nicht mehr nur mit Goethe und Schiller, die beide in der Stadt gelebt und gearbeitet haben, sowie dem ältesten Planetarium der Welt auf. Das Open-Air-Festival „Kulturarena“ und eine quirlige Kneipen-Szene mit Läden wie dem Café Stilbruch oder Bia’s Café machen Jena attraktiv. Jeder vierte Jenenser ist Student.3

Jeder vierte nur?

Die Stadt in Thüringen ist [jedenfalls] der Überraschungssieger des Karriere-Atlasses.4

Geil.

Im Mittelpunkt des Karriere-Atlasses stehen zwei Gruppen von Fach- und Führungskräften: die Denker und die Lenker. Die Denker sind Entwickler und Innovateure. Zu ihnen gehören die MINT-Berufe, die Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und die Techniker ebenso wie Ingenieure. Sie stoßen Innovationen an und entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen. Die Lenker sind Manager und Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer, Berater und Juristen, Hochschullehrer oder gehören zum Spitzenpersonal aus Verbänden und Verwaltung. Sie sind es, die die Ideen der Denker aufgreifen und umsetzen.
Jena belegt hinter München den zweiten Platz im Gesamtranking. In der gerade einmal 100.000 Einwohner zählenden Stadt ist die Anzahl an Fach- und Führungskräften sehr konzentriert.5

Ok.

  1. http://www.karriere.de/beruf/muenchen-jena-berlin-die-top-regionen-in-deutschland-7952/ [zurück]
  2. http://www.karriere.de/beruf/muenchen-jena-berlin-die-top-regionen-in-deutschland-7952/ [zurück]
  3. Ebd. [zurück]
  4. Ebd. [zurück]
  5. Ebd. [zurück]

Probiers mal mit Gemütlichkeit

Unter den gekräuselten Blättern der Kastanien am Rande des Marktplatzes gibt es noch vier weitere Tische. Lange, bevor die übrigen 50 Marktstände und Wagen eintreffen, bilden sie hier mit dem von Daus bereits eine Reihe. Grüne Petersiliensträuße sind auf einer der Tischplatten zwischen Pyramiden aus rotbäckigen Äpfeln und tiefgelben Quitten ausgebreitet. Auf dem Pflaster liegen zwei medizinballgroße Kürbisse. Hinter jedem Tisch herrscht geschäftiges Treiben. Eine stämmige Frau mit weißem Haar ächzt kurz, als sie sich nach vorn beugt und Walnüsse in eine Plastikschale purzeln lässt.1

Jenaer Markttreiben aus Sicht des Akrützel. Wieso wartet der mittlerweile zweite Kommentarversuch ewig auf seine Freigabe?

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  1. http://www.akruetzel.de/, Artikel „Ein Rest von Gemütlichkeit“ , 13.11.2008[zurück]