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Es gibt nur eine gefühlte Art von „Scheiße“. Oder: Gottseidank ist Indie alles andere als Emo

„Indie ist heute eigentlich Mainstream, aber tanzbar bleibt es trotzdem.“ Zu dieser coolen Erkenntnis kommt das Campusradio Jena mittels einer scharfsinnigen Analyse, die sich auf der eigentlich schon zum Scheitern verurteilten Suche nach Kategorisierungen auf (mindestens) einen Irrweg begibt.
„Indie ist alles, was nicht Emo ist“, sprich „Indie“ ist extrovertiert, männlich, lebensbejahend und alles andere als subversiv. Ganz klar, das alles ist „Indie“. Und diese (an den, dem „Emo“ gleichenden, Indiehaaren herbeigezogene) Kategorisierung funktioniert nur mittels Abgrenzung zum und durch Auschluss des Anderen, des Abzulehnenden, in diesem Fall „Emo“.1

  1. http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22417.html [zurück]

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Der MED-Club e.V., Studentenclub des Fachbereichs Medizin an der FSU Jena, lud zum Fasching in die Lougebar (nicht zu verwechseln mit: Lougenbrezel). Von Studenten für Studenten und gesponsert von Thalia (Bücher, Medien und mehr).

Arbeit ist geil

Die literarische Zukunft Deutschlands denkt einfach mal ganz unverbindlich ein bißchen über den Zusammenhang von Geld, Arbeit und Karma nach. Erstmal Basisthese aufstellen bzw. klauen:

„Der Kapitalismus ist in seinem Wesen zutiefst sozial“, schreibt Lotter.

Dann die These untermauern und selber eine aufstellen: Arbeit ist geil !

Nein, ich habe mir vorgenommen, nicht mehr für Geld zu arbeiten. Sondern für Karma. Deswegen versuche ich bereits während der Arbeitszeit mein Glück zu finden. Wie? Indem ich versuche meine Arbeit so zu gestalten, dass es viele Bedürfnisse deckt. Zum Beispiel das nach geistigem Wachstum, das nach Anerkennung und das nach sozialen Kontakten. Das ist sicherlich nicht in jedem Büro möglich. Aber dennoch erstrebenswert. Egal ob Frittenbude oder Architekturagentur.

Und wie schließt jeder gute SchülerInnenaufsatz ab? Genau! Mit einem Denkanstoß!

Komisch, warum sich die Menschen soviel Gedanken über Geld machen, und arbeiten bis zum Umfallen, um immer nur Geld anzuhäufen. Eigentlich müssten wir mit gleicher Intensität auch in unsere anderen Kapitale investieren: Zeit, Glück, guten Schlaf, gutes Essen, Kritikfähigkeit, Freundschaft und Liebe.

Von wegen Gemütlichkeit: Die letzten linken Studierenden sitzen in Jena

Das Interview [auch die Kommentare lesen =) ] schlug hohe Wellen, „Sie sind unter uns“ wird getitelt oder und alles in den richtigen Zusammenhang gebracht. Auch das Campusradio positioniert sich („[…]um sich dem braunen Treiben zu widersetzen wird in Dresden eine antifa organsiert um den Widerstand zu demonstrieren[…]“ Achso?): Wir sind dagegen. Fast drollig erscheint in diesem Zusammenhang, dass die unsäglichste Meinung von einem Unique-Redakteur höchstpersönlich stammt, mit dem eigentlichen Thema („Sollten wir Rechten wirklich einen Sendeplatz geben?“) anscheinend nichts zu tun hat und nur hier überhaupt Erwähnung findet:

Der dritte Weltkrieg
Hallo, mein Name ist Luca. Ich bin heute 6 Jahre alt. Ich würde bald in die Schule kommen, wenn ich für meine Mama und meinen Papa damals nicht gerade zu einer ungünstigen Zeit gekommen wäre. Es ist Krieg. Nur anders als wir es uns jemals vorgestellt haben. In diesem Krieg gibt es nur Verlierer. Wir sind Opfer und Täter gleichzeitig. Das Ziel unseres Krieges ist die Selbstverwirklichung. Dafür sind wir bereit einen hohen Preis zu zahlen. Wir opfern uns auf und kämpfen hart. Ging es im Zweiten Weltkrieg um die Verwirklichung einer kollektiven Rasselehre, so ist es nun die Verwirklichung desIndividuums. Das „unwerte“ Leben sind nun die mehr als 100.000 Föten, die allein in Deutschland jedes Jahr getötet werden. Dabei sind weniger als 3% aller Abtreibungen medizinisch oder kriminell begründet. Bedenkt man, dass dieser Krieg nun schon viele Jahrzehnte andauert, hat er vermutlich schon die größte Zahl an unbeteiligten und zivilen Opfern aller bisherigen Kriege. Wir verstecken uns so sehr hinter der Frage „Wann ist ein Mensch ein Mensch?“, dass wir ganz verpassen darüber nachzudenken, was das Töten unmoralisch macht. Ist es vielleicht doch grundsätzlich falsch, weil man das Opfer seiner Zukunft beraubt? Das sagt zumindest Don Marquis‘ „Valuable-future-like-ours“-Theorie. Das gilt dann ja auch für den ungeborenen Menschen im Mutterleib.1

  1. http://www.unique-online.de/ausgaben/unique_ausgabe_45.pdf, S. 15 [zurück]

Probiers mal mit Gemütlichkeit #2

Diesmal in der Abbe-Mensa:

12 Uhr: Im Abwaschraum steht Marianne Barthel mit einer weißen Schürze und Kappe, die sie mit einer Haarnadel befestigt hat. Sie sortiert das Geschirr in die Spülmaschine, das sich auf grauen Tabletts über die grünen Gummibänder in die Küche schiebt. „Manchmal stapeln die Leute alles aufeinander“, sagt sie. „Das kostet ziemlich viel Zeit beim Einsortieren.“ Barthel wirkt trotz der Fließbandarbeit nicht gestresst. Ein gutes Team seien sie hier, meint Küchenchef Schubart. Die Arbeit funktioniere reibungslos und wenn mal jemand krank wird, könne er sich auf die anderen verlassen. 1

  1. Essen für Millionen. Ein Blick in den Kochtopf: Die Abbe-Mensa wird zehn Jahre alt, http://www.akruetzel.de [zurück]

Es gibt Meinungen, deren Ungeschicklichkeit liegt in ihrer Unzeitigkeit.#2

Ich habe eine neue Wohnung im Stadtzentrum. Endlich raus aus Lobeda-Ost und rein in die Stadt Jena. Das ist so, als würde man vom Gaza-Streifen nach Malmö umziehen. Ich wohne ab März in einer WG, die mal eine Arztpraxis war. In die Wohnung führt ein Aufzug, so wie in den beschissenen Pseudo-WGs in GSZS. Der Flur ist so groß, dass ich überlege dort regelmäßig Basketballturniere stattfinden zu lassen. Oder eine Bloglesung.1

Dass dieser Vergleich eher schief als eben erscheint, brauch wohl nicht betont zu werden. Auffällig ist nur, dass eben jener Blogger auf schiefe Vergleiche steht.

Ich traue mich nicht auszusprechen, was ich über die israelische Regierung momentan denke. Ich möchte sie am liebsten mit einer ganz bestimmten Sache vergleichen, aber das darf man ja nicht. Deswegen tue ich es auch nicht. Ich bin der Meinung, dass es die Angelegenheit Israels ist, diesen Konflikt zu lösen, reagiert man ja auf eigenem Grund und Boden. Die Welt schaut wie immer zu und scheitert an den hohen Mauern der Diplomatie.2

  1. http://chaosplanet.phlekmaz.de/ [zurück]
  2. Ebd. [zurück]

Die Masse machts schon

Im neuen Erfurter Magazin hEFt wird versucht, dem Verhältnis von Stadt, Uni und Kultur auf den Grund zu gehen. Dabei wird festgestellt: Besser ists immer bei den anderen. In Erfurt gibt es lediglich 9.000 Studierende, die Studierendenstädte Münster und Jena seien hingegen kaum vorstellbar ohne ihre Hochschulen.

Dort, so die Vermutung, prägen Studierende das kulturelle Leben ihrer Stadt entscheidend mit. Und in Erfurt? Ketzerisch formuliert, verhält es sich wie mit dem Flughafen: das eine (Kultur) könnte auch ohne das andere (Hochschulen).1

Schuld an der mangelhaften Beteiligung der Studierenden am kulturellen Leben seien zum einen die im Rahmen der Bologna-Reform eingeführten Abschlüsse Bachelor und Master, die eine stärkere Normierung der Studierenden mit sich bringt und somit außeruniversitäre Beteiligungen selten werden lässt. Hinzu geselle sich eine ebenso im Zuge der Bologna-Reform aufkommende pragmatische Mentalität mit der die Studierenden ihr direktes Lebensumfeld ausblenden und eher „[…]pragmatisch [am persönlichen Lebenslauf] Feilen[…]“2.

Dummerweise bleibt dann aber das kreative Potential aus Weber, Habermas, Musil und Konsorten stadträumlich im Verborgenen. Zu wenig lockt die Versuchung, über theoretische Konstrukte wie Grassroot-Aktivismus und Empowerment nicht nur für die nächste Prüfung nachzudenken.3

Es sei dem Artikel nur eins zugefügt: Die Masse machts eben nicht. Der Studierendenanteil in Jena (30 Prozent) ist kein Garant für eine Gegenöffentlichkeit, da er selbst eine Öffentlichkeit und Zielgruppe bildet. In einer „Studi-Stadt“ wie Jena bilden sich dann kulturelle Festungen und Leitmedien, deren Einfluss auf das direkte Lebensumfeld (abseits vom reinen Kulturkonsum) fraglich ist. Und was fehlt: „[…] Leerstand auf dem Immobilienmarkt […]“4.

  1. die leiden der jungen bewerber, Zum Verhältnis von Stadt, Uni und Kultur, In: hEFt, brust oder keule, grundbedürfnisse Januar 2009. [zurück]
  2. Ebd. [zurück]
  3. Ebd.; zum Beispiel: Graswurzel-Journalismus [zurück]
  4. Ebd., In Erfurt herrscht Leerstand auf dem Immobilienmarkt, der, wie in anderen Städten, als kostengünstiger Nährboden und Experimentierfeld genutzt werden könnte, so der Autor. [zurück]

Jenaer desto besser?

Haben Sie sich schon einmal überlegt, nach Jena zu ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten oder an einer der traditionsreichsten Unis Deutschlands zu studieren? Nein? Weil Sie dabei nur an DDR-Tristesse mit Plattenbauten und Schlaglöchern gedacht haben? An Arbeitslosigkeit?1

Ja!

Sie sollten sich vom Gegenteil überzeugen (lassen). 18 Jahre nach der Wende sprießt das Mauerblümchen. 2

Achso?

Die Stadt an der Saale hat heute einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Hochqualifizierten und zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen. Und kulturell wartet Jena längst nicht mehr nur mit Goethe und Schiller, die beide in der Stadt gelebt und gearbeitet haben, sowie dem ältesten Planetarium der Welt auf. Das Open-Air-Festival „Kulturarena“ und eine quirlige Kneipen-Szene mit Läden wie dem Café Stilbruch oder Bia’s Café machen Jena attraktiv. Jeder vierte Jenenser ist Student.3

Jeder vierte nur?

Die Stadt in Thüringen ist [jedenfalls] der Überraschungssieger des Karriere-Atlasses.4

Geil.

Im Mittelpunkt des Karriere-Atlasses stehen zwei Gruppen von Fach- und Führungskräften: die Denker und die Lenker. Die Denker sind Entwickler und Innovateure. Zu ihnen gehören die MINT-Berufe, die Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und die Techniker ebenso wie Ingenieure. Sie stoßen Innovationen an und entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen. Die Lenker sind Manager und Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer, Berater und Juristen, Hochschullehrer oder gehören zum Spitzenpersonal aus Verbänden und Verwaltung. Sie sind es, die die Ideen der Denker aufgreifen und umsetzen.
Jena belegt hinter München den zweiten Platz im Gesamtranking. In der gerade einmal 100.000 Einwohner zählenden Stadt ist die Anzahl an Fach- und Führungskräften sehr konzentriert.5

Ok.

  1. http://www.karriere.de/beruf/muenchen-jena-berlin-die-top-regionen-in-deutschland-7952/ [zurück]
  2. http://www.karriere.de/beruf/muenchen-jena-berlin-die-top-regionen-in-deutschland-7952/ [zurück]
  3. Ebd. [zurück]
  4. Ebd. [zurück]
  5. Ebd. [zurück]

„Deutsch“ als Salzersatz

Die Finanzkrise ist da: Das Salz ist (wieder einmal) rar. Aufgrund dessen wirbt der Deutsch Akademische Austausch Dienst mit einer neuen Idee:

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Gewinnung von „Deutsch“ gestaltet sich recht einfach, es ist vom Geschmack her mindestens so gehaltvoll wie Salz („Ich glaub, die Suppe ist verdeutscht.“), bei Überdosierung treten die gleichen Nebenwirkungen auf (instinktiv ausgelöster Durst und damit verbundene Steigerung des Gewichts) und die Streitigkeiten, ob raffiniert oder Ur-Salz wären auch gelöst. Oder was soll bitte raffiniertes „Deutsch“ sein?
Streu Heil!

Es gibt Meinungen, deren Ungeschicklichkeit liegt in ihrer Unzeitigkeit.#1

Rührende Einfalt! Das Kaufen ist immerhin die gerechteste Form der Aneignung schlechthin. Was gab es denn, bevor der Kapitalismus seine zivilisierenden Wirkungen ausübte? Da wurden Besitzverhältnisse durch Mord und Totschlag oder durch die Blutbande der Erbfolge begründet. Nie hat der Mensch mehr Freiheiten genossen, als seitdem das Geld die Beziehungen unter seinesgleichen regelt. Nie war sein Sozialverhalten besser, als seitdem er den anderen als Kunden zu betrachten lernte. Im Kaufen und Verkaufen liegt der Schlüssel zur Berechenbarkeit allen Handelns, ein großer Fortschritt bei der Zähmung des triebhaft-wilden Menschengeschlechts.1

Achso?

  1. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/883853/ [zurück]